Der Musikfilm als Form des Dokumentarfilms : Eine Untersuchung über die Erzeugung einer realistischen Illusion im Dokumentarfilm anhand einer Analyse des Musikfilms Berlin - Die Sinfonie der Grosstadt

  • Der Film BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSTADT (1927, Walter Ruttman) gilt bis heute als der Sinfonische Dokumentarfilm schlechthin. Er präsentiert nicht nur die Traditionslinien, die ihre Wurzeln in der neuen Sachlichkeit und den ersten Dokumentarfilmtheorien fanden, sondern auch die künstlerische und filmische Vorstellung von Ruttmann. Um den höchsten Grad an Objektivität in der Realitätsdarstellung zu erreichen, hat dieser Film einerseits treu alle theoretischen und ästhetischen Gedanken der neusachlichen Kunst zum ersten Mal filmisch in einem DOKUMENTARFILM dargestellt. Noch dazu drückt der Berlin-Film seinen kulturellen Beitrag mit ausschliesslich filmischen Mitteln aus, also mit rein visuellen Mitteln, oder anders gesagt mit FILMSPRACHE. Im Gegensatz zur ersten Ankündigung des Films und der Filmliteratur, die den Film als Dokumentarfilm ansehen, ist er in Wirklichkeit einer der ersten innovativen Musikfilme in seinem historischen Kontext, welcher mit der Montage von Wirklichkeitsabbilden autonome Musik zu interpretieren versucht. Seine sachlichen, dokumentarischen Reportage-Bilder ordnen sich der abstrakten Struktur und dem Taktmaß der Musik unter. Als Folge entsteht laut Ruttmann eine VISUELLE SINFONIE, die eigentlich vielmehr eine Vision von Berlin darstellte, als zukünftige industrielle Musterstadt. Mit anderen Worten ist Berlin in diesem Film eine realistische Illusion, aber keineswegs ein reales Bild. Er bildet ein neues Filmgenre, den KUNSTDOKUMENTARFILM, das den Grundprinzipien des Dokumentarfilms nicht folgt. Dies unterscheidet ihn aber auch von den KÜNSTLERISCHEN DOKUMENTARFILMEN, die einerseits dem Film BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSTADT zwar formalstilistisch und ästhetisch ähneln. Aber im Gegensatz zu ihm erfüllen diese die elementaren Voraussetzungen für einen Dokumentarfilm. Beispiele dafür sind: DER MANN MIT DER KAMERA (1929, Dsiga Vertov), KOYAANISQATSI (1982,Godfry Reggio) und das Remake BERLIN, SINFONIE EINER GROßSTADT (2002, Thomas Schadt). BERLIN – DIE SINFONIE DER GROSSTADT von Walter Ruttmann stellt nicht nur ein neues Filmgenre dar, er ist auch eine singuläre Erscheinung in der Filmgeschichte. In diesem Sinne spielte er, laut dem Filmkritiker Helmut Korte, eine entscheidende Rolle in der Weiterentwicklung des absoluten Films „als Musterbeispiel für die Möglichkeiten des künstlerisch-dokumentarischen Films“ (Korte 1991: 76).

Download full text files

Export metadata

Additional Services

Share in Twitter Search Google Scholar
Metadaten
Document Type:Doctoral Thesis
Author:PhD Hossam Wahbeh
DOI (Cite-Link):https://doi.org/10.25643/bauhaus-universitaet.1845Cite-Link
URN (Cite-Link):https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:wim2-20130206-18457Cite-Link
Advisor:Prof. Dr. phil. habil. Karl Schawelka, Prof. Hans Beller
Language:German
Date of Publication (online):2013/02/06
Year of first Publication:2013
Date of final exam:2013/02/05
Release Date:2013/02/06
Publishing Institution:Bauhaus-Universität Weimar
Granting Institution:Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Kunst und Gestaltung
Institutes:Fakultät Kunst und Gestaltung / Promotionsstudiengang Kunst und Design-Freie Kunst-Medienkunst (Ph.D)
Pagenumber:129 S.
Tag:realistische Illusion
GND Keyword:Musikfilm; Dokumentarfilm
Dewey Decimal Classification:700 Künste und Unterhaltung / 700 Künste / 702 Verschiedenes zur bildenden und angewandten Kunst
BKL-Classification:24 Theater, Film, Musik / 24.32 Filmgeschichte
Licence (German):License Logo Creative Commons 4.0 - Namensnennung-Nicht kommerziell (CC BY-NC 4.0)