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Cinematic Architecture - Architectural Cinema

  • Der Mensch nimmt seine Umgebung im Alltag, auf Grund einer permanenten Reizüberflutung, eher unbewusst bzw. selektiv wahr. Der Film trägt, um mit Walter Benjamin zu sprechen, zur 'Vertiefung der Apperzeption' (Benjamin 1963/1936, 34) bei, indem er Dinge - mit Hilfe der beschriebenen Mittel Kadrierung, Montage und Narrative – isoliert und herausstellt. Das durch den Film veränderteDer Mensch nimmt seine Umgebung im Alltag, auf Grund einer permanenten Reizüberflutung, eher unbewusst bzw. selektiv wahr. Der Film trägt, um mit Walter Benjamin zu sprechen, zur 'Vertiefung der Apperzeption' (Benjamin 1963/1936, 34) bei, indem er Dinge - mit Hilfe der beschriebenen Mittel Kadrierung, Montage und Narrative – isoliert und herausstellt. Das durch den Film veränderte Rezeptionsverhalten eröffnet neue Möglichkeiten der Wahrnehmung und nicht zuletzt der Gestaltung von Architektur. Vermeintlich bekannte Mittel der Architektur können neu betrachtet und unter den veränderten Rahmenbedingungen bewusster eingesetzt werden. So verfügt die sie seit jeher über das beschriebene Gestaltungsvokabular, jedoch setzen Architekten, wie Tschumi oder Koolhaas, dieses heutzutage weitaus gezielter ein, um sich dem neuen Apperzeptionsverhalten des Betrachters zu nähern. Sie inszenieren mit cinematischen Strukturen, so dass der Rezipient eine neue Art der Wahrnehmung von Architektur durch die ihm bekannten Mittel erfährt. Beim Film motiviert erst die emotionale Einbindung den Zuschauer zum Weiterschauen. Hier werden Raumwirkungen bewusst erzeugt und intentional eingesetzt, um die Narrative zu unterstützen. Die Narrative ist das Element, welches eine Beziehung zwischen dem Film und dem Zuschauer aufbaut, indem sie dem Betrachter einen Interpretationsspielraum in Bezug auf sich und seine Umwelt eröffnet. Dazu merke ich kritisch an, dass heutzutage nicht alle Filme – genauso wenig wie alle Architekturen – solch einer Behauptung standhalten können. Viele Filme geben dem Zuschauer von vornherein eine einzige Interpretation vor und sind lediglich zum Konsumieren gedacht, was eher unbewusst stattfindet. Die Filme Michelangelo Antonionis oder Jean-Luc Godards sind anderer Natur. Sie können für eine Untersuchung herangezogen werden, da diese Regisseure filmische Gestaltungsmittel gezielt zur Erzeugung mehrerer narrativer Ebenen einsetzen, um dem Zuschauer die Möglichkeit der Interpretation und Reflektion zu geben und um ihn infolge dessen emotional zu involvieren. In der Wechselbeziehung von Architektur und Film geht es daher nicht allein um das Übertragen von filmischen Bildern auf die Architektur, sondern um das Herstellen einer Beziehung zwischen dem Betrachter und seiner Umwelt. Dafür werden in der Architektur cinematische Strukturen, wie das bewusste Verdecken von Raumteilen, die Montage von sich atmosphärisch unterscheidenden Räumen oder die Inszenierung des Außen durch die Kadrierung, eingesetzt. Auf der Ebene der emotionalen Einbindung des Rezipienten findet auch die Narrative in der Architektur statt. So entstehen die Sequenzen bei Tschumis Parc de la Villette aus dem Event heraus, welches sich durch den aktiven – also den sich bewegenden und sehen den – Besucher manifestiert. Somit wird er von vornherein in das Projekt involviert. Die Architektur hat den Vorteil, dass hier alle Sinne in das Erfahren des Raumes mit eingeschlossen werden. Erst durch den Betrachter entsteht die Narrative. Das cinematische Gestaltungsvokabular eröffnet Architekten die Möglichkeit den Rezipienten mit den ihm vertrauten Mitteln zu packen und ihn zur Raumaneignung zu motivieren. Dabei kann der Architekt lediglich Bild- und Bewegungsmöglichkeiten vorschlagen, der Betrachter selbst ist frei in seinem Handeln und muss keiner Linearität folgen. Der Wunsch nach Immersion beim Film bricht sich daran, dass der Zuschauer nur vom Geschehen mitgerissen wird. Der Regisseur genießt eine weitaus größere Freiheit bei der Konstruktion des filmischen Raumes, jedoch kann sich der Betrachter die Kamera nicht selbst aneignen, um zu wählen, was er sehen möchte. Daher ist dem Film schon von vornherein eine strikte Linearität immanent: Er muss in eine Richtung gesehen werden. Zudem bleibt der Film ein suggestiver Raum, seine Dramatik immateriell. Die Arbeit unternimmt den Versuch, filmtheoretische Ansätze zu Kadrierung, Montage und Narrative auf die Architektur zu übertragen, um konventionalisierte Wahrnehmungsmuster aufzubrechen. Dies findet zuerst auf der Ebene eines terminologischen Transfers statt und geht dann in einen Vergleich von Film und Architektur über. Die Ausführungen stützen sich zudem auf Essays und Schriften verschiedener Architekten und Architekturtheoretiker, die sich mit dem Thema Architektur und Film, sowie Raum befasst haben. Für die vergleichenden Untersuchungen werden hauptsächlich die filmischen Werke von Jean-Luc Godard und Michelangelo Antonioni, sowie die architektonischen Arbeiten von Rem Koolhaas und Bernard Tschumi herangezogen, da diese Regisseure und Architekten von vornherein eine Affinität für die jeweils andere Kunst hegen.show moreshow less

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Metadaten
Document Type:Bachelor Thesis
Author: Maria Dantz
DOI (Cite-Link):https://doi.org/10.25643/bauhaus-universitaet.1285Cite-Link
URN (Cite-Link):https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:wim2-20080319-13556Cite-Link
Language:German
Date of Publication (online):2008/03/19
Year of first Publication:2007
Release Date:2008/03/19
Publishing Institution:Bauhaus-Universität Weimar
Granting Institution:Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur und Urbanistik [bis 2014 Fakultät Architektur]
Institutes:Fakultät Architektur und Urbanistik [bis 2014 Fakultät Architektur] / Professur Theorie und Geschichte der modernen Architektur
Tag:Struktur; filmische Architektur; promenade architecturale
GND Keyword:Architekturtheorie; Filmtheorie; Le mépris <Film>; Godard; Jean-Luc; Wong; Kar-wai; 2046; Filmarchitektur; Koolhaas; Rem; Tschumi; Bernard; Z
Dewey Decimal Classification:700 Künste und Unterhaltung / 720 Architektur / 720 Architektur
Licence (German):License Logo Copyright All Rights Reserved
Note:
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