Im Kontext

  • Die etymologische Herkunft des Wortes Kontext findet sich im lateinischen Begriff contexere, bedeutet somit zusammenweben, zusammenflechten. Während die immanente Deutung, z.B. eines Bildes oder einer Architektur, auf formale oder symbolische Aspekte und deren Verbindung zueinander abzielt, wird bei einer kontextuellen Betrachtungsweise der Blick außerhalb des Werkrahmens gelenkt. Etwas im Kontext zu betrachten bestimmt das Verständnis von Äußerungen und Gegenständen, da Zusammenhänge und Beziehungen sichtbar gemacht und aktiv hergestellt werden. Ein umfassenderer Blick wird gewährleistet, der das Objekt vielleicht in einem neuen Licht erscheinen lässt, oder aber auch die dazugehörige Umgebung. Nicht nur der Standpunkt der Betrachtung, auch wie nah oder fern man dem Betrachtungsgegenstand kommt, welchen Ausschnitt man wählt, aus welchem Erfahrungshorizont man an ihn herantritt – all dies beeinflusst letztlich das Ergebnis, sei es einer Deutung oder einer neuen Architektur, eines neuen Stadtteils etc. Der Kontext ist somit kein abgeschlossenes Konstrukt. „Im Kontext“ ist ein Begriff, der gerade in Architektur und Städtebau von zentraler Bedeutung ist, und vielleicht gerade deshalb gewisse Abnutzungserscheinungen zeigt. Die Frage, inwiefern sich Neubauten in den architektonischen, stadträumlichen oder auch naturräumlichen „Kontext“ fügen (sollten), ist ein immer wiederkehrendes Thema in Architektur und Städtebau, über das leidenschaftlich gestritten wird und wurde. Heutzutage, wo es kaum noch Freiflächen gibt, steht alles in irgendeinem Kontext oder soll zumindest in diesem betrachtet werden. Wird in einer (historischen) Stadt eine Lücke geschlossen, so muss sich das Implantat „in den Kontext“ fügen, sei es architektonisch, räumlich, inhaltlich, historisch, konstruktiv, emotional, theoretisch… Hier hat der Kontext sicherlich auch seine Grenzen. Die Suche nach dem genius loci, nach einer Eigenart des Ortes, nach Traditionen und Kontinuität wird an manchen Orten, die bereits, um die berühmte Metapher Freuds zu bemühen, als Palimpsest erscheinen, geradezu zu einem Manierismus. "Im Kontext" darf also durchaus kritisch hinterfragt werden. Doch können wir deshalb auf die Frage nach dem Kontext verzichten? Gerade, wenn in der Gegenwart die historischen Zusammenhänge verloren zu gehen scheinen, wenn Bedeutungen losgelöst werden von ihrem historischen Gewordensein, kann es wichtig sein, diese wieder zu verankern.

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    Editorial

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    Inhaltsverzeichnis

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    Rekonstruktionen als Teil eines "postmodernen Wiederaufbaukonzepts"? / Eva von Engelberg-Dockal

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    Falten und Zusammenfalten / Frederike Lausch

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    Personal Effects / Jerzy Elzanowski

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    Nichts von der Stange! / Daniela Spiegel

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    Pantheon / Text Sabine Sommerer ; Bilder Dagmar Keller, Martin Wittwer

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    Bauen für das 21. Jahrhundert / Kirsten Angermann, Simone Bogner

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    Entwerfen im Kontext / Torben Kiepke, Kerstin Vogel

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    Der Pavillon an der Seifengasse in Weimar / Hermann Wirth

  • Dem Himmel so nah… / Saskia Maria Woyke

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Metadaten
URN (Cite-Link):https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:wim2-20161110-26972Cite-Link
Series (Serial Number):HRMagazin. Festgabe für Hans-Rudolf Meier (2)
Editor: Simone Bogner, Dr. Daniela Spiegel
Document Type:Book
Language:German
Date of Publication (online):2016/11/10
Year of first Publication:2016
Release Date:2016/11/10
Institutes:Fakultät Architektur und Urbanistik [bis 2014 Fakultät Architektur] / Professur Denkmalpflege und Baugeschichte
Pagenumber:102
GND Keyword:Stadtforschung
Dewey Decimal Classification:700 Künste und Unterhaltung / 710 Landschaftsgestaltung, Raumplanung
BKL-Classification:21 Einzelne Kunstformen / 21.75 Denkmalpflege, Stadtbildpflege
Licence (German):License Logo Creative Commons 4.0 - Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen (CC BY-SA 4.0)
Note:
Herausgeberkollektiv: Kirsten Angermann, Simone Bogner, Eva von Engelberg-Dockal, Iris Engelmann, Mark Escherich, Katja Hasche, Torben Kiepke, Daniela Spiegel, Kerstin Vogel, Johannes Warda